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Unsere Gesellschaft ist Trägerorganisation für
den"anderen Dienst im Ausland".
Wir nennen die von uns entsandten jungen Leute "Friedis".
1. Allgemeines
Was ist der "andere Dienst im Ausland"?
Hier erfahrt Ihr zuerst die allgemeinen Bestimmungen:
Der Andere Dienst im Ausland (ADiA) ist ein sozialer
Dienst im Ausland. Er ist in Deutschland als Wehrersatzdienst anerkannt.
Der ADiA wird anstatt eines regulären Zivildienstes abgeleistet
und gilt als vollwertiger Ersatz. Fälschlicher Weise wird er
oft als „Zivildienst im Ausland“ bezeichnet, hat aber
rechtlich mit dem Zivildienst nichts zu tun, auch wenn sich Aufgaben,
Dienstart sowie Dienstzeit ähneln.
Grundvoraussetzung für die Ableistung eines anderen Dienstes
im Ausland ist die Anerkennung als Kriegsdienstverweigerer durch
das Bundesamt für den Zivildienst.
Der Andere Dienst im Ausland kann nur bei den vom „Bundesministerium
für Familie, Senioren, Frauen und Jugend“ (nicht wie
manchmal irrtümlich behauptet „Bundesamt für Zivildienst“)
anerkannten Trägerorganisationen abgeleistet
werden. Die Trägerorganisation registriert den Freiwilligen
bei erfolgreicher Bewerbung beim Bundesamt für Zivildienst.
Nach Ableistung der Dienstzeit (zur Zeit 11 Monate) erlischt die
Pflicht zum Leisten eines Ersatzdienstes im Friedensfall. Der Dienst
ist vor der Vollendung des 23. Lebensjahres anzutreten.
Dieser Dienst dauert mindestens zwei Monate länger als der
Zivildienst in Deutschland, seit dem 1. Oktober 2004 also mindestens
11 Monate. Der Dienstbeginn wird zwischen der Trägerorganisation
und dem Dienstleistenden vereinbart.
Die Aufgabenbereiche während des ADiA sind denen der Zivildienstleistenden
in Deutschland ähnlich, allerdings ist die Bandbreite an Projekten
und Stellen um einiges größer und dies ist – neben
der Chance ein Jahr im Ausland zu leben – wohl einer der Vorteile
an diesem Dienst.
Grob lassen sich folgende Bereiche abgrenzen:
· Sozial-Pflegerischer Bereich (Alten- und Pflegeheime, Krankenhäuser,
Frauenhäuser, Lebensgemeinschaften)
· Pädagogischer Bereich (Projekte zur politischen Bildung,
Museen, Gedenkstätten, Schulen)
· Arbeit mit Kindern und Jugendlichen (Waisenhäuser,
Kinderheime, Jugendbegegnungsstätten)
Rechtliche Rahmenbedingung
Gesetzlich ist der andere Dienst im Ausland durch § 14b des
ZDG geregelt. Entscheidend ist, dass es sich bei einem Anderen Dienst
im Ausland rechtlich gesehen nicht um einen Zivildienst handelt.
Wer einen Anderen Dienst im Ausland leistet, wird lediglich vom
Zivildienst freigestellt. Damit übernimmt der Staat keinerlei
Leistungen (z. B. keinen Sold, keine Beiträge zu den Versicherungen,
keine Unterstützung von den Trägerorganisationen für
die Kosten von Vorbereitung und Begleitung).
Im Hinblick auf die staatsrechtliche Seite ist man Wehr- oder Zivildienstleistenden
in Bezug auf den Anspruch auf Kindergeld und die Anrechnung als
Wartesemester gleichgestellt. Obligatorisch für die Träger
ist die Übernahme der Kosten für die Kranken- und Haftpflichtversicherung.
Zu beachten ist, dass es sich um einen privatrechtlichen Vertrag
zwischen Entsendeorganisation und Dienstleistenden handelt, daher
können die sonstigen Konditionen stark variieren. In der Regel
sorgen die Träger für Reisekosten, Unterkunft und Verpflegung.
Weiterhin zahlen sie meist ein Taschengeld. Die genaue Ausgestaltung
ist zwischen den Organisationen sehr unterschiedlich, deshalb ist
es wichtig, frühzeitig zu prüfen, welche Kosten entstehen.
Wird der ADiA vorzeitig beendet, wird die in dem Dienst abgeleistete
Zeit, sofern sie zwei Monate übersteigt, auf den Zivildienst
angerechnet.
Finanzierung
Die Finanzierung unterscheidet sich stark unter den verschiedenen
Organisationen.
Die meisten Träger erwarten und benötigen einen finanziellen
Beitrag der Dienstleistenden.
Geläufigstes Modell ist der Förderkreis: Der Dienstleistende
muss einen Spenderkreis aufbauen, der monatlich von 150 bis 600
Euro aufbringt. In Einzelfällen müssen Dienstleistende
auf eigene Ersparnisse zurückgreifen, oder die Familie um Unterstützung
bitten.. Es lohnt sich, sich spätestens ein Jahr vor gewünschtem
Antritt über die Bedingungen etc. zu informieren.
Neben einem Anderen Dienst im Ausland gibt es seit August
2002 auch die Möglichkeit, als Ersatz für den Zivildienst
in Deutschland ein Freiwilliges Soziales Jahr oder ein Freiwilliges
Ökologisches Jahr im Ausland abzuleisten (§14c
ZDG). Im Unterschied zum ADiA übernimmt der Staat in diesem
Fall Leistungen für Unterkunft, Verpflegung, Taschengeld, Versicherungen
und pädagogischer Begleitung (aber nicht die Reisekosten).
Voraussetzung ist dann, dass im geleisteten Jahr mindestens 25 Bildungstage
(z. B. für Vorbereitung, Reflexion, Auswertung) enthalten sein
müssen.
(Quelle:Wikipedia)
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2. Und was ist der "Andere Dienst im Ausland" bei der
Gesellschaft für deutsch-russische Begegnung Essen e.V.?
Der Einsatzort unserer "Friedis" und derjenigen,
die sich für ein soziales Jahr engagieren, ist unsere Partnerstadt
Nishnij Nowgorod. Über diese schöne Stadt gibt es viel
zu erfahren im Fenster "Partnerstadt".
Zur Zeit sind drei junge Männer als Friedis in Nishnij Nowgorod
und ein Mädchen im sozialen Jahr.
Sie arbeiten in verschiedenen sozialen Einrichtungen und schreiben
regelmäßig auf dieser Seite über ihre Arbeit und
über ihre Erlebnisse in Russland . Manchmal schicken sie interessante,
lehrreiche und lustige Fotos.
Weiter unten könnt Ihr den Abschlussbericht unseres Friedis
Volker Eikelmann lesen , der Ende Juli aus Nishnij
Nowgorod zurückgekommen ist.
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Habt Ihr Fragen :
zu Bewerbungsvoraussetzungen und Bewerbungsterminen,
zur Finanzierung und
zu den Lebensverhältnissen eines Friedis in Nishnij Nowgorod?
Dann schreibt eine mail an
Dr.Werner Strahl e-mail: kinderarzt.strahl@t-online.de
oder
Irina Pfeiffer e-mail: irina.pfeiffer@web.de
Diese beiden sind Vorstandsmitglieder und zuständig für
die "Friedis".
Sie antworten Euch gerne!
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Hier ist für alle Interessentinnen und Interessenten eine erste
Kurz-Info zu Bewerbungen von Dr.Werner Strahl:
Liebe Bewerberin für ein „Freiwilliges Soziales Jahr“
(FSJ)!
Lieber Bewerber für den „Anderen Dienst im Ausland“
(ADiA) oder FSJ!
Haben Sie herzlichen Dank für Ihre Nachfrage nach dem von
uns angebotenen einjährigen
Dienst in unserer russischen Partnerstadt Nishnij Nowgorod.
In diesem Jahr leisten wieder vier Freiwillige (1 Frau, 3 Männer)
diesen Dienst in sozialen Einrichtungen (Waisenhaus, Behindertenschule,
Selbsthilfeeinrichtung für Behinderte) und bei der Betreuung
Schwerbehinderter zu Hause. Inzwischen können wir stolz verkünden,
das in den vergangenen 15 Jahren 50 junge Menschen ein Jahr mit
uns in Russland waren und alle diese Herausforderung geschafft haben.
Voraussetzung dazu ist Neugier auf das neue Land, Mut, Hilfsbereitschaft,
Freude an Zusammenarbeit mit Anderen, Gesundheit und Spaß
am Schreiben (s.Berichte auf der Website). Von großem
Vorteil sind russische Sprachkenntnisse !
Als kleine Organisation Essener Bürger können
wir den Einsatz nur teilweise unterstützen und zwar pro Teilnehmer
mit 1500 € und die Übernahme der Versicherungskosten von
ca € 600.-- pro Jahr. So die Teilnehmer noch nicht 27 Jahre
alt sind, bekommen sie noch ihr Kindergeld aus der Familienkasse.
Die Auswahl der Kandidaten erfolgt auf einem Vorstellungsnachmittag
im Januar bei uns.
Wir laden dazu die Bewerber ein, die uns nach Einsendung Ihres Lebenslaufes
und einer
ausführlichen Begründung Ihres Wunsches am besten geeignet
erscheinen. Auch im Jahr 2009 müssen wir uns wieder auf 4 junge
Menschen beschränken.
Die schriftliche Bewerbung (möglichst mit kleinem Passbild)
muß uns bis Anfang Dezember 2008 vorliegen.
Nach einem weitern Vorbereitungstreffen mit den Ausgewählten
und Kontakten mit den Vorgängern ist die Ausreise im Juni bis
Juli 2009. In Nishnij erfolgt die Einweisung durch noch dort arbeitenden
Vorgängern vor Ort. Bei den z.Zt. bestehenden Problemen mit
1-Jahres-Visa helfen wir natürlich.
Wir freuen uns auf Ihre Bewerbung und sind für Ihre Nachfragen
immer offen.
Mit freundlichen, friedlichen Grüßen i.A. des Vorstandes
Ihr Werner Strahl
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Ausschnitt aus einem abschließendem Brief von Lina
Michel vom 3.8.2010
( Lina und Niels haben nach ihrem Jahr in Nishnij an einem Rückkehrer-Seminar
in Weimar teilgenommen und schreibt dazu:)
Das Rückkehr-Seminar war sehr schön, da wir diesmal eine
Gruppe hatten, die überwiegend im Osten unterwegs war (Sibirien,Moldawien,Rumänien).
Es ist immer schön, Menschen um sich herum zu haben, die ähnliche
Erfahrungen gesammelt haben. Unsere „Vierer-Bande“ versucht
sich im Herbst wieder zu sehen. Am 5.8. bekomme ich Besuch von zwei
Freundinnen aus Nishnij, die einige Wochen bleiben werden. Darüber
bin ich sehr froh, da ich doch die ersten
zwei Wochen sehr durchhing und mir Russland sehr gefehlt hat...............
.................Ansonsten möchte ich im Namen von uns allen
ein großes Lob an Euch und die ganze Gesellschaft aussprechen.
Ihr ward einfach unglaublich. Besonders Niels ich haben auf allen
Seminaren jedes Mal auf´s Neue feststellen müssen, wie
gut wir vorbereitet waren, wie viel wir über unser Projekt
wussten und wie gut wir auch eingeführt wurden bzw. wie einfach
uns der einstieg fiel, dadurch, dass die Arbeitsstellen schon vertraut
waren mit dem System und auch die Invaliden.
Wir haben uns dank Eurer jahrelangen Vorarbeit nützlich gefühlt,
im gegensatz zu den anderen Freiwilligen. Auch der persönliche
Kontakt zu Euch hat uns Vieles sehr erleichtert. Man kann gar nicht
alle Vorteile aufzählen, die wir im Vergleich zu anderen Freiwilligen
hatten, die wir im Vergleich zu anderen Freiwilligen hatten, die
ihr Projekt nicht ganz so erfolgreich oder zufrieden wie wir durchziehen
konnten.
Wir sind Euch sehr dankbar dafür und werden versuchen, so viele
wie möglich zu motivieren, auch bei Euch anzuklopfen. Wir hoffen,
dass die Gesellschaft noch ganz lange bestehen bleibt, da die Hilfe,
die Ihr teils auch durch uns leistet, definitiv in Russland Früchte
trägt und wo Fortschritt auch zu beobachten ist.
Ich bin unglaublich froh, diese Erfahrung gemacht zu haben und ein
Teil dieser „Bewegung“ gewesen zu sein!
Ganz liebe Grüße aus dem regnerischen Bad Arolsen
Lina Michel
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Friedibericht Nummer 1 von Fabio !
München, 1. Juli 2010, 09:50Uhr: Ich passiere die erste Passkontrolle
und schaue mich noch einmal um: Hinter der Absperrung stehen meine
Eltern und meine Freunde. Natürlich bin ich sehr traurig, denn
erst jetzt wird mir bewusst, dass eine ganz schön lange Zeit
vergehen wird, bis ich sie wieder sehen werde. Auf der anderen Seite
freue ich mich auch auf das Jahr - eigentlich ohne bis dato eine
Ahnung zu haben, was es bedeutet, ein Jahr in Russland zu leben.
Als wir im Flugzeug sitzen denke ich mir, dass es doch ein großer
Unterschied ist, ob man ein Land, wie ich es bis dato immer gemacht
habe, nur als Tourist besucht, oder als Person, die dort arbeiten
muss und sich gezwungenermaßen an sämtliche Umstände
des dortigen Alltags anzupassen hat. In Moskau - Domodedovo läuft
alles glatt und nur eine Dreiviertelstunde nach Landung der Maschine
aus München sitzen wir schon am Gate nach Nishnij Nowgorod.
In Nischnij werden wir am Flughafen von Steffen und Matthias abgeholt,
unseren beiden Vorgängern. Als wir in einem alten Mercedestaxi
mit ca. 90 km/h durch die Stadt zu unserer Wohnung fahren, ist die
Luft diesig und man sieht nicht viel weiter als 100 Meter. In unserer
Wohnung angekommen, schaue ich mich erst einmal um und stelle gleich
fest, dass das schöne Wohnungsinnere im totalen Kontrast zum
Äußeren unseres 9 - stöckigen Gebäudes steht:
Das Haus, das wohl ungefähr in den späten siebziger Jahren
gebaut sein müsste, ist von außen kein unbedingt schöner
Anblick, dafür aber die Wohnung. Sie ist sehr großzügig
geschnitten und entspricht vom Standard dem, was man so aus Deutschland
kennt.
Am nächsten Morgen fahren wir zur ersten von den insgesamt
7 Invaliden, die wir betreuen. Ira ist 38 Jahre alt und von der
Krankheit ist es für mich als totaler Laie schwer zu sagen,
was ihre Krankheit genau ausmacht. Man hat den Eindruck, dass sie
ihre Gedanken ganz klar und rational ordnet, dann aber einfach aufgrund
ihrer körperlichen Behinderung Probleme hat, diese zum Ausdruck
zu bringen.
Innerhalb der letzten Woche von Steffen und Matthias hier in Russland
schaffen wir es zudem noch, neben allen Invaliden auch zwei von
den insgesamt drei Arbeitsbereichen zu besuchen: Das Waisenhaus
und die Behindertentagesstätte "Stupeni". Im Waisenhaus
wird den Kindern die Möglichkeit geboten, sich in verschieden
Bereichen wie beispielsweise in Informatik zu schulen. Es scheint,
dass das für die Kinder auch sehr wichtig ist, und mein Eindruck
ist, dass einige von ihnen darin für später eine gute
Möglichkeit sehen, aufgrund dieses Wissens einen Beruf ergreifen
zu können.
In der Tagesstätte treffen wir nur die Leiterinnen an, da die
meisten Kinder die Ferien bei ihren Eltern verbringen. Sowohl in
der Schule als auch bei "Stupeni" glaube ich, dass man
sehr interessante Erfahrungen in der Zusammenarbeit mit den Kindern
machen kann, denn bis dato habe ich mich in Deutschland in keiner
Weise mit einer vergleichbaren Arbeit beschäftigt.
Die Invaliden sind auch allesamt sehr nett und man bemerkt eine
große Dankbarkeit gegenüber unserer Gruppe. Ich denke,
dass das stark damit zusammenhängt, dass es zwar in Russland
Dienste gibt, die Behinderte betreuen. So etwas wie einen Zivildienst
nach deutschem Muster gibt es jedoch noch nicht und daher ist es
für diese Leute gewissermaßen eine kleine Sensation,
dass jemand aus einen anderen Land kommt, um sich um sie zu kümmern
- ohne dass sie etwas dafür zahlen müssen.
Letzteres ist für allem hier in Russland ein wesentlicher Faktor:
Zwar erhalten alle Invaliden eine Rente vom Staat, diese ist jedoch
sehr gering und so kommt es häufig vor, dass die Behinderten
hier in Armut leben müssen.
Neben der Arbeit habe ich mich hier inzwischen sehr gut eingelebt
und auch der Alltag normalisiert sich langsam: Man weiß inzwischen,
wohin man gehen muss, um bestimmte Artikel zu kaufen, man weiß,
welche "Marschrutka" (= eine Art Kleinbus) einen an welchen
Ort bringt und auch mit den Besonderheiten der hiesigen Servicementalität
hat man sich gut arrangiert. Nishnij Novgorod ist zudem eine sehr
schöne Stadt mit einem historischen Zentrum und was mir persönlich
besonders gut gefällt, ist, dass es eine Stadt ist, die mit
der Wolga an einem sehr großen Fluss liegt.
Inzwischen haben wir auch viele junge Leute in unserem Alter kennengelernt
und ich bin erstaunt, wie unglaublich gut einige von ihnen Deutsch
sprechen. Zwar sind manche von ihnen Studenten an der linguistischen
Fakultät, aber andere hatten Deutsch nur als Fremdsprache an
der Schule und gemessen mit den Fremdsprachekenntnissen, die ich
mir in meiner Schulzeit angeeignet habe, ist das Niveau der Schüler
in Nishnij um ein Vielfaches höher, als das meinige.
Auch gibt es viele interessante Möglichkeiten, die sich einem
in dieser Stadt ermöglichen und häufig bringt ein Tag
viel Neues und Unerwartetes mit sich: Gestern rief mich eine Freundin
an und meinte, sie suche jemanden, der für eine Freundin ihrer
Mutter als Deutschlehrer an einer Sprachenschule einspringen könnte.
Vor knapp 24 Stunden hätte ich nicht gedacht, dass ich einmal
Ausländern Deutschunterricht geben würde, doch nun bin
ich für die nächsten zwei Wochen erst einmal die Urlaubsvertretung
und versuche krampfhaft, mich an den Unterschied zwischen starken
und schwachen Verben zu erinnern.
Inzwischen sind auch Alex und Bernhard wieder aus ihrem Sommerlager
in Voronesh zurückgekehrt, das aufgrund der verheerenden Waldbrände
hier in Russland abgebrochen werden musste. Diese Brände belasten
die Bevölkerung hier sowohl psychisch als auch physisch, denn
zum einen hat hier jeder Angst, dass die nur wenige Kilometer von
hier entfernten Brände die Datschen der Leute zerstören
und zum anderen ist die Luft in der Stadt momentan so schlecht,
dass einige Leute hier nur mit Mundschutz spazieren gehen. Man hat
den ganzen Tag den Eindruck, es sei neblig, aber in Wirklichkeit
ist es kein Nebel, sondern dicker Rauch, der sich über das
ganze Gebiet gelegt hat. Wir hoffen hier alle, dass der für
Mitte August erwartete Regen nun auch wirklich kommt und sich die
Situation in der Stadt wieder normalisiert. Auch, dass sich die
Brände dem Nuklearforschungszentrum Sarov nähern, welches
sich ca. 200 Kilometer südlich von uns befindet, beunruhigt
uns.
Es bleibt eigentlich nur abzuwarten, ob die Politik hier umsetzt,
was sie verspricht, und tatsächlich alle zur Verfügung
stehenden Mittel verwendet, um die Brände einzudämmen,
denn der russische Premierminister Putin hat bereits am Wochenende
unserem Gouverneur vorgeworfen, zu wenig gegen die Brände zu
unternehmen.
Jedoch scheint sich, wenn auch sehr langsam, die Lage hier etwas
zu verbessern.
Zu guter Letzt bleibt eigentlich nur noch zu erwähnen, dass
der erste Monat hier für uns wahnsinnig schnell vergangen ist
und wir uns schon alle auf die Reise nach Kasan freuen, die wir
für nächste Woche angesetzt haben.
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